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Frank Goosen: So viel Zeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ben Fischer   
Donnerstag, 16. April 2009 um 19:45 Uhr
Cover Zugegeben, als ich beim Buchdealer meines Vertrauens Frank Goosens Roman „So viel Zeit“ zu meiner Urlaubslektüre bestimmte, war mir noch nicht bewusst, welch eine Präsenz der Autor während meines bevorstehenden Inselurlaubs entfalten würde. Für meine spontane Wahl sprachen da vor allem drei Dinge: der Name Frank Goosen, der in meinem Unterbewusstsein irgendwie positiv besetzt ist, der Klappentext (Sex, Drugs & Rock 'n' Roll ...) und schließlich – ganz oberflächlich betrachtet – das Cover, auf dem eine wunderschöne Fender Stratocaster aufgestanzt ist. Nun, zwei Wochen später, nachdem der Urlaub beendet, das Buch ausgelesen und sogar durch den Autor autographisch „entwertet“ ist, kann ich sagen, es hat einfach Spaß gemacht.

Obgleich ich noch nie etwas von Frank Goosen gelesen hatte, war mir der Name schon länger ein Begriff, vermutlich weil benanza.de schon im Herbst 2002 seinen Debütroman „Liegen lernen“ besprochen und empfohlen hatte. Zu Gehör gekommen war mir auch, dass Goosen ganz witzig über des Mannes liebstes Kind, den Fußball, erzählen kann. Und das, obwohl er als Anhänger des VfL Bochum wohl eher selten Spaß an der professionellen Ausübung dieser Sportart haben dürfte. Aber vielleicht ist es gerade der zwangsläufige Galgenhumor, der seine fußballverrückten Possen so liebenswürdig macht.

Doch um Fußball geht es in „So viel Zeit“ nicht. Hauptthema des Romans ist die Musik, genauer gesagt, die gute alte Rockmusik. Thematische Parallelen zu den Werken von Nick Hornby drängen sich zwar auf, sind aber absolut in Ordnung. Was interessiert Männer denn neben Fußball sonst noch? Ganz klar: Mucke, und natürlich Frauen; auch von diesen wunderbaren Wesen bzw. der Beziehung zu ihnen handelt „So viel Zeit“.

Da sind also die fünf Mittvierziger Bulle, Konni, Thomas, Rainer und Ole, die sich seit der Schulzeit kennen. Mit Ausnahme des nach Berlin abgewanderten und dort abgestürzten Musikgenies Ole haben die Freunde allesamt durchaus respektable Berufe wie Steuerberater, Arzt, Lehrer oder Schriftsteller ergriffen, sind verheiratet, verwitwet oder frisch verlassen und treffen sich einmal im Monat zu einer Doppelkopfrunde. Sie leben das ganz normale Durchschnittsleben, das sich kurz vor dem 25jährigen Abi-Treffen auf einmal langweilig und vorhersehbar anfühlt. Was also tun? Sie gründen eine Rockband, holen ihren Kumpel aus der Berliner Versenkung und rocken fortan als Mountain of Thunder Tennisclubs, Provinzdiscotheken und Kellerbars. Dabei haben sie ein gemeinsames Ziel vor den Augen, den ganz großen Auftritt auf dem kommenden Abi-Treffen. In den Monaten bis zu diesem Tag bringt die Musik das Leben der Fünf gehörig in Fahrt. Seitensprünge, Trennungen und neue Lieben führen ihnen vor Augen, dass es auch im ganz normalen Leben oft anders kommt, als man denkt und nicht alles so ist wie es scheint.

Mit seinem Roman „So viel Zeit“ gelingt es Frank Goosen, den Leser wirklich gut zu unterhalten. Goosen erzählt hier schlicht und einfach eine Geschichte über das Leben, die Liebe, die Freundschaft und das Erwachsenwerden. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei begeht er nicht den Fehler, mit überflüssigen Details und moralischen Zeigefingern zu langweilen oder sich gar in epische Abhandlungen über die Rockmusik der vergangenen Dekaden zu verrennen. Vielmehr fesselt er den Leser mit authentisch wirkenden Geschichte von fünf Durchschnittstypen, gepaart mit seinem aufmerksamen Blick für das wahre Leben.

Für meinen Urlaub auf der schönen Insel Juist hat Frank Goosen damit die perfekte Begleitlektüre geliefert, zumal er die Insel zur gleichen Zeit noch mit einem persönlichen Besuch bedachte. Schon bei der Ankunft hatte ich im Vorbeigehen ein Plakat mit seinem Konterfei ausgemacht und mir gedacht, den kennst du doch. Einige Tage später kam er mir dann abseits des überschaubaren Juister Flugplatzes in Natura entgegen, seine Kids standesgemäß in blau-weiße VfL-Schals gehüllt. Grund des Besuchs war jedoch weniger, mir persönlich für die Wahl meiner Urlaubslektüre zu danken, sondern vielmehr aus seinem neuen Buch „A 40 – Geschichten von hier“ zu erzählen (eine kleine Kostprobe gibt es bei YouTube). Auch dieser Abend war absolut unterhaltsam. Schnell merkte man, dass Goosen schon lange als Kabarettist unterwegs ist, wofür er unter anderem mit dem Publikumspreis Beklatscht & Ausgebuht beim Prix Pantheon 1997 ausgezeichnet wurde (zusammen mit Jochen Malmsheimer als Duo „Tresenlesen“).

Doch zurück zum Buch. Nachdem ich es gelesen habe, ist mir einiges klar geworden: Frank Goosen ist ein lustiger Typ und schreibt gute Bücher, weshalb ich mir auch gleich seinen Erstling „Liegen lernen“ zugelegt habe. Und außerdem sollte ich endlich mal wieder in den Keller gehen, meine sternförmig geschnittene Stromgitarre an den Verstärker stöpseln und mich an dem einen oder anderen Riff versuchen. Es ist nie zu spät, um den Jugendtraum von der eigenen Rockband wahrzumachen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 17. April 2009 um 00:34 Uhr
 
Kommentare (1)
Frank Goosen
1 Sonntag, 03. Mai 2009 um 16:22 Uhr
???
Schöner, lebendiger, nachvollziehbarer und anregender Kommentar, leihst'e mir das Buch mal?

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