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Schönen Dank, Herr Daum PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ben Fischer   
Mittwoch, 10. Juni 2009 um 22:21 Uhr
KOMMENTAR - So ist das also heute mit Herzensangelegenheiten. Man schüttelt sie ab, sobald ein Angebot kommt, das man nicht ablehnen kann. Eigentlich darf im Profisport keiner etwas anderes erwarten - und tut es generell auch nicht. Doch im Fall des 1. FC Köln glaubten die ohnehin gern in Traumwelten lebenden FC-Fans tatsächlich, es könne auch mal anders laufen. Nicht nur, dass Fan-Liebling Podolski dem Verein trotz internationaler Angebote sein Ja-Wort gab. Gerade auch die immer und immer wieder gepredigten Floskeln von der Herzensangelegenheit des Herrn Daum ließen die Fans an den Aufbruch in ein neues, erfolgreiches Zeitalter glauben. Ein Fehler wie sich nun zeigt, der ein Gefühl der Enttäuschung hinterlässt, ähnlich dem des hoffnungslos Verliebten, dessen Angebetete mit einem anderen abzieht.

Ex-FC-Trainer Christoph Daum und sein Team (Bild: Benanza Pix / Sven Gebauer)Aber noch einmal zurück zur Herzensangelegenheit. Wie nun zu lesen war, stand Christoph Daum schon letztes Jahr kurz vor dem Absprung nach Istanbul. Es ist schwer vorstellbar, dass es Herzensfragen gewesen sind, die die Verhandlungen in letzter Sekunde scheitern ließen. Dennoch wurde der in Köln als Messias verehrte Trainer nicht müde, dem gemeinen Kölner Fußballvolk weiter die Mär von der Herzensangelegenheit aufzutischen, schrie doch ganz Köln förmlich nach solch salbungsvollen Phrasen. Und Daum schien sich auch darin zu gefallen, den Fans die mundgerecht servierten Emotionshappen vorzusetzen, quasi als Opium für das Volk. Man muss natürlich anerkennen, dass Daum damit maßgeblich zu der in Köln entfachten Euphorie beigetragen hat. Gerade das ist ja auch eine seiner Stärken: Christoph Daum ist ein begnadeter Motivator und Mobilisator. Zugleich neigt er aber auch in besonderem Maße zu Übersprungshandlungen. Sei es nun seine übermotiviert abgegebene Haarprobe oder sein kurz entschlossener Abflug an den Bosporus. Immer wieder hinterlässt Daums sprunghaftes Gebaren ein Gefühl von Unverständnis und der Ernüchterung.

„Ich war jeden Tag mit Herzblut dabei. Doch jetzt gibt es eine neue Herausforderung“, kommentierte Christoph Daum seinen Abgang im Interview mit der WELT. Besser hätte man es nicht zusammenfassen können, bestätigt er doch gerade, was viele denken: Daum war jeden Tag mit dem Herzen dabei – bis einer vorbei kam und mit dem großen Geld winkte. Geld schlägt Herz. Jürgen von der Lippe führte einst durch die wunderbare Sendung "Geld oder Liebe". In diesem Fall ist die Antwort klar: Geld! Und es ist wohl nicht nur das Trainersalär, das sich deutlich verbessert haben soll. Auch die finanziellen Spielräume für Spielerverpflichtungen dürften mit denen in Köln nicht zu vergleichen sein. Kurzfristiger Erfolg, den Daum nach eigener Aussage anstrebt, wird damit natürlich greifbarer als in Köln. Es drängt sich allerdings die Frage auf, warum Herr Daum erst jetzt zu realisieren scheint, dass der Erfolg in Köln bestenfalls mittelfristig zu schaffen ist, zumal er höchstselbst allzu euphorisierte Fans immer wieder auf diesen Umstand hinwies.

„Ich verlasse ein geordnetes Haus“, rechtfertigte der Erfolgstrainer seinen spontanen Abgang in den Medien. Von wegen. Mit seiner Spontanaktion wird er vielmehr zum Brandstifter an eben diesem, von ihm selbst durchaus erfolgreich mitgestalteten Haus. Und während Daum den Haustürschlüssel abzieht und wohl für alle Zeiten wegwirft müssen die verbliebenen Akteure - allen voran Manager Meier - Feuerwehr spielen und retten, was zu retten ist. Und das in einer Phase, in der nicht nur Vertragsgespräche mit einigen Leistungsträgern anstehen, sondern in der zudem die halbe Liga nach einem neuen Trainer sucht, oder um im Bild zu bleiben: einem Brandexperten. Dies war ein echter Bärendienst, Herr Daum!

Dabei ist es nicht der Abgang an sich, der sauer aufstößt. Dass ein Profi-Trainer ein finanziell und sportlich lukrativeres Engagement vorzieht, ist absolut legitim. Es ist aber die Art und Weise, in der sich diese Trennung vollzog. Nicht nur hat Christoph Daum einmal mehr vollkommen anders gehandelt, als er zuvor nach außen den Anschein gab. Auch der Zeitpunkt und die Signalwirkung dieses Abgangs sind mehr als fragwürdig. Daum setzt seinen angeblichen Herzensverein völlig überraschend unter Zugzwang. Wenn die FC-Verantwortlichen glauben durften ein Problem nicht zu haben, dann doch wohl ein Trainerproblem. Nun haben sie eines. Abgesehen davon sind Abgänge dieser Art - wenn auch rechtlich sauber - geradezu Wasser auf den Mühlen jedweder Söldnermentalität. Wer will Spielern noch etwas von Identifikation mit dem Verein erzählen, wenn selbst Trainer, die sich einer vermeintlichen Herzensangelegenheit verschrieben haben, dem scheinbar unwiderstehlichen Ruf des Geldes folgen?

Was also bleibt? Der 1. FC Köln ist um eine Erfahrung reifer - und braucht dringend einen neuen Trainer. Ob sich die Trainersuche erfolgreich gestaltet, bleibt abzuwarten. Es gibt sicherlich andere, fachlich versierte Fußballtrainer. Aber Daum war mehr: Visionär, Netzwerker und Symbolfigur eines neuen FC. Das wird der Verein unmöglich auf die Schnelle ersetzen können. Und er scheint es auch gar nicht zu versuchen, schenkt man den Mediengerüchten Glauben. Danach zählen der unerfahrene Leitwolf Zvonimir Soldo, das bisherige Onehit-Wonder Mirko Slomka und der nüchterne Routinier Friedhelm Funkel zu den heißesten Kandidaten. Wahrlich nicht die ganz große Lösungen, die einen Trainerstar wie Christoph Daum schnell vergessen ließen. Aber das einmalige Gefühl von Aufbruch und die Euphorie, die der als Messias gefeierte Fast-Bundestrainer Daum in Köln einst entfachte, wird auch der teuerste Trainer der Welt nicht mehr entzünden können, und das ist auch gut so. Vielleicht erkennt der FC in der Not auch die Chance, nun mit einem bodenständigen, uneitlen und weniger sprunghaften Trainer den angestrebten Platz im Bundesliga-Mittelfeld zu erreichen. Und mit ganz viel Glück kommt dann mittelfristig auch mal der Erfolg zurück nach Köln - aber hoffentlich nicht in Gestalt von Christoph Daum. Ex-FC-Trainer Christoph Daum und sein Team (Bild: Benanza Pix / Sven Gebauer)
Zuletzt aktualisiert am Montag, 22. Juni 2009 um 22:45 Uhr
 
Kommentare (7)
Titelhamster
7 Dienstag, 23. Juni 2009 um 20:22 Uhr
???
Wenigstens weiß Henke, wie man eine Meisterschale zu stemmen hat. In diesem Sinne: Herzlich Willkommen beim FC !
Daum II
6 Freitag, 12. Juni 2009 um 12:29 Uhr
???

@Reeme: Das erklärt natürlich einiges. Aber warum schmiert der CIA nicht einfach den FC? Die hätten Daum jederzeit feuern können...
Daum
5 Freitag, 12. Juni 2009 um 12:19 Uhr
???
Der Obama hat den Daum doch mit Geld zugeschissen, dass er in die Türkei geht. So will er die Türkei näher an Europa bringen. Der CIA soll Daums Familie sogar mit dem Tod bedroht haben.
Kommentar
4 Freitag, 12. Juni 2009 um 12:15 Uhr
???
Wäre der Daum abgestiegen hätte ihm auch keine ne Träne nachgeweint. Nun geht er mit Klassenerhalt, ist es auch nicht recht. Sicher hätte er sich ordentlich verabschieden können, hätte er halt noch nen Blumenstrauß vorm Bochum-Spiel bekommen.

Bin mal gespannt wie lange es dauert bis Özat für Fener aufläuft. ...

Falls die Familie tatsächlich beschifpft worden sein soll, so ist das völlig unpassend und eigentlich unerträglich.
Soldo
3 Freitag, 12. Juni 2009 um 11:59 Uhr
???
ich war schon besorgt, weil er ein kompletter Trainer-Neuling ist. Erleichtert bin ich jetzt, wo klar ist, dass der Ouwei-Ouwei (Henke) den Assi macht. Der bringt viele Jahre Buli-Trainererfahrung mit. Was ein guter Assi wert ist, wissen wir ja nicht erst seit Jürgen Klinsmann und dem Kaiser. Will hoffen, dass er nen guten Mittelfeldmann mitbringt. Der Sharbini (oder doch Sabini?), Kroate, ist ja schon lange bei uns im Gespräch. Aber laut Express wollen die Lachbacher uns den wegschnappen...



Alles in Allem bin ich jetzt ganz zufrieden.
Soldo solls richten
2 Donnerstag, 11. Juni 2009 um 20:27 Uhr
???
So, nun scheint es laut EXPRESS-Exklusivmeldung tatsächlich auf den Rookie Zvonimir Soldo als Daum-Nachfolger hinauszulaufen. In meinen Augen ein unglaubliches Wagnis. Sollte sich der Trainer Soldo jedoch als ebenso "coole Sau" wie sein Landsmann, der kroatische Nationalcoach Slaven Bilić entpuppen (mit hoffentlich ähnlichem Erfolg), dann kann man den FC für sein Risiko nur beglückwünschen. Anderenfalls wird die Trainerdiskussion uns aber noch eine gute Zeit verfolgen. Ich finde, man sollte Soldo nun aber erstmal eine Chance geben. Die Fußstapfen sind ohnehin unheimlich groß. Und geht das Experiment schief, ist es eh' der Daum schuld ;)
Daum unprofessionell
1 Donnerstag, 11. Juni 2009 um 10:17 Uhr
???
Ich stimme dem Kommentar voll zu. Bleibt noch anzumerken, dass Daum durch die Art seines Abgangs den aktuellen Ärger selbst verschuldet hat. Natürlich ist es inakzeptabel, dass seine Familie nun angepöbelt wird. Wer als "Messias" in Köln unterwegs ist sollte aber wissen, dass man seine Jünger -oder wie benanza.de schreibt, seine Geliebte - nicht über Nacht verlässt. Ohne Erklärung, ohne eine Gefühlsregung, ohne Ankündigung. Nach dem Motto: "Ich bin dann mal Zigaretten holen". Das lässt sich keine Geliebte und das lassen sich auch keine heißblütigen FC-Anhänger bieten. Das war unprofessionell, Herr Daum!

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