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Wiedersehen im Jahn-Sportpark PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rainald Benzler   
Sonntag, 31. Juli 2011 um 10:13 Uhr
BFC Dynamo Berlin vs. 1. FC Kaiserslautern, Jahn-Sportpark, 30. Juli 2011 (Bild: R. Benzler / Benanza Pix)Eine zumindest den Namen nach reizvolle Ansetzung bot die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 2011/2012. Der DDR-Altmeister BFC Dynamo, nach der Wende ohne die schützende Hand von Erich Mielke tief gefallen, traf auf den 1. FC Kaiserslautern. Für die Ostberliner nach mehr als zwei Jahrzehnten wieder Gelegenheit, sich etwas mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Dies gelang auch, allerdings nicht so wie vom Verein eigentlich geplant.

Unbeeindruckt vom Berliner Dauerregen machten wir uns Richtung Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg auf, in dem die Dynamos in ihren großen Zeiten mit Andreas Thom und Thomas Doll Europapokalnächte feierten. Regulär kickt der BFC inzwischen tief im Osten, in Sportforum Hohenschönhausen, in der Oberliga. Schlagzeilen machte der Verein nur, wenn seine „Fans“ zuschlugen. Sammelbecken für DDR-Nostalgiker und Neonazis (lex extremes se touchent!), sorgten sie häufig für Angst und Schrecken. Bekanntester Name des heutigen Vereins ist Trainer Heiko Bonan (Profi beim VfL Bochum und Karlsruher SC).

Es war eigentlich alles für eine packende Pokalbegegnung angerichtet: Neben dem Regen eine durchaus ansprechende Kulisse und ein Flair, wie man es in westdeutschen Stadien noch aus den 80er und 90er Jahren kennt: kein Lagnese-Familienblock weit und breit, ein gut gezapftes Bier und eine anständige Bierversorgung. Oder anders formuliert: das Kontrastprogramm zum Testspiel, zu dem sich drei Tage zuvor Hertha BSC und Real Madrid im ausverkauften Olympiastadion trafen. Fehlte nur noch ein Gastgeber, der dem Favoriten aus der Pfalz das Leben schwer macht.

Dynamo Berlin vs. FCK (Bild: R. Benzler / Benanza Pix)Doch leider gab es auf dem Platz wenig Gegenwehr. Kaiserslautern spulte bei Fritz-Walter-Wetter das Spiel souverän mit 3 - 0 runter, ohne sich großartig verausgaben zu müssen. Dafür war auf den Rängen umso mehr geboten: Laute, sehr ursprünglich klingende Rufe wie „Dynamo, Dynamo“ und „Ost-, Ost- , Ostberlin“ sorgten für knisternde Stimmung. Rund 10.000 Zuschauer bedeuteten auch eine neue Bestmarke im Nachwende-Berlin für die Gastgeber. Rund 15 Minuten vor Spielende wurden dann die ersten Knallkörper gezündet und Rauchwolken sorgten für eine kurze Unterbrechung. Kein Grund zur Panik, sondern normales Geplänkel.

Der Pfälzer Anhang wurde nun übermütig und reizte den als wenig friedfertig bekannten Dynamo-Anhang mit weißen Taschentüchern, was eindeutige „Auf die Fresse“ - Sprechchöre als Reaktion provozierte. Kurz nach dem Abpfiff wurde diese Drohung zur Realität: eine wildgewordene Horde stürmte den Gästeblock. Die Berliner Ordner hatten (versehentlich?) die Tore geöffnet und danach wieder verriegelt, so dass die im Prinzip zahlreich anwesende Polizei nicht einschreiten konnte. Unfassbar. Zum Glück hatten wir ob des miesen Wetters unmittelbar nach Spielende das Stadion verlassen und konnten die Jagdszenen erst auf der Eberswalder Straße „hören“. Das Medienecho auf dieses Finale war gewaltig, der schlechte Ruf des BFC Dynamo ist wohl zementiert.

Fazit: Aufgrund der Begleitumstände ein denkwürdiger Pokalnachmittag.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 23. September 2011 um 21:10 Uhr
 

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