Barbecue Grill Rauch im Freien
Filmbühne Magazin

Trailerpark News – Bloody Barbecue

Moin! Nee, ich war nicht zum „Schlager-Move“ in Hamburg, auch nicht beim „Kölner Lichter“-Irrsinn, sondern hab‘ mich neun Stunden lang beim Sommerfest des Santos Grill Shop durchgefressen – abartig, aber irgendwie geil. Abartig und irgendwie geil geht’s auch audiovisuell diese Woche zu, in unterschiedlichsten Facetten.

Cannibals and Carpet Fitters

In „Cannibals and Carpet Fitters“ kommt eine Berufsgruppe endlich mal in den Fokus, die bisher von der Filmbranche sträflich vernachlässigt wurde: Der Teppichverleger! Und ein ganzer Haufen davon soll in einem abgelegen britischen Herrenhaus die Bude aufpäppeln, dummerweise hausen hier die titelgebenden Kannibalen… Klingt jetzt erstmal wenig neu und innovativ, aber die Versatzstücke aus TCM und „Shaun-of-the-Dead-Comedy“ passen zusammen wie ein schöner Perser. Die Handwerker sind durch die Bank hübsch und sympathisch aber dumm, die Menschenfresser sind durch die Bank hässlich & fies aber noch dümmer = ein Duell auf Flokatihöhe! Wenn’s zwischendurch ein wenig zu lächerlich zu werden droht wird einfach mal spontan mit ’ner Axt ein Schädel gespalten und umgekehrt. Also durchweg kurzweilig und für Freunde des blutigen abartigen Humors absolut zu empfehlen!

Double Date

In „Double Date“ treffen zwei männermordende Vamps auf zwei jungfräuliche Voll-Loser – allerdings nicht durch Zufall (die Vamps haben nämlich einen fiesen Masterplan, der hier nicht verraten wird! Und die Loser auch, nämlich endlich mal FICKEN!). Was die Angelegenheit von Anfang an eigentlich ziemlich vorhersehbar macht. Dennoch „gibbet“ hier Kuriositäten en masse (vor allem ein spontanes Geburtstagsständchen einer völlig abartig-verblödeten Sippschaft – Fremdschäm-Alert in neuer Dimension), ne Menge saukomischer Sprüche (okay, mit 2-3 Bieren intus sicher noch lustiger) und am Ende echtes fast körperlich schmerzhaftes Gekloppe – Geheimtipp!

Dust Devil

Geheimtipp ist „Dust Devil“ wohl nicht mehr (immerhin von 1992 der Schinken), aber mir bis dato unknown und hat mich gleich erobert: Psychodelisch schwitzig anmutende Bilder aus der Wüste Südafrikas. Alptraumhaftes an jeder Ecke, vereinzelt fast schon splatterig. Und im neu veröffentlichten „Final Cut“ extra lang und extra böse. Inhaltlich geht’s um das Wirken eines Dämonen, der in Form von Wind (!?) und ’ner Indiana-Jones-Look-a-like-Contest sicher weit vorne landenden Erscheinung auf dem Weg zu seiner nächsten Evolutionsstufe weibliche Menschen schlachten muss, die er vorher/währenddessen begattet. Passt also perfekt ins heutige Motto, obwohl so wat hat sicher jeder von uns schon mal ersonnen…

Exiled

Auch bei „Exiled“ hamma nix wirklich Brandneues vorliegen, aber auch hier ist die BluRay-Veröffentlichung Anlass der (Neu-)Entdeckung: Im Hong-Kong-Gangstermilieu der 90er angesiedelt treffen verschiedene Killer mit Vergangenheit aufeinander, die sich zu Anfang noch aufgrund ihrer Aufträge battlen um dann später gemeinsame Ziele anzugehen. Details, wer hier wen und warum umnieten, will sind so überflüssig wie einzelne Story-Elemente. Und Logik war auch noch nie die Stärke des HK-Kinos, aber was an Baller-Ästhetik und brutal-coolen Kameraperspektiven aufgefahren wird ist wirklich unfassbar hochwertig, bis heute Referenz in diesem Segment. Einfach Birne aus- und Glubscher und Lauscher (der neue DTS-Sound nagelt ein Brett in den Raum, Alter!) anschalten!

Santa Sangre

Ich weiß ihr wisst, ich bin großer Fan des Irrsten der Irren. Und eines seiner zentralen Machwerke „Santa Sangre“ soll hier kurz aber ausreichend empfohlen werden. Von Alejandro Jodorowsky ist natürlich die Rede, dessen Sohn hier in der Hauptrolle „glänzt“ (oder einfach nur völlig abartig wahnsinnig durch ein ebenso gestaltetes Setting läuft). Und man kann es mal wieder kaum glauben was es hier zu sehen gibt… wobei das „Sehen“ an sich ja nur die hauchdünne Oberfläche darstellt, man könnte/müsste/sollte ganze Seminarreihen zu den Sub-Meta-Irgendwas-Ebenen darunter/darüber/dahinter aufbereiten. Aber dann verfällt man wohl ebenso dem Wahn der hier gespiegelt wird. Das kann man eigentlich niemandem antun.

Kurz zur Story: kleiner Sohn des Zirkusdirektors muss eine abartig blutige Familien-Tragödie mit ansehen und wird in die Klapse eingeliefert, aus der er ca. 15 Jahre später fliehen kann. Auf den Spuren seines Traumas rutscht er immer tiefer in Wahnvorstellungen und Sekten-Irrsinn, bis immer deutlicher wird, dass wir es hier mit einem LSD-Norman-Bates zu tun haben… Mehr „isset“ für die 2,5 Stunden auch nicht. Doch seht selbst, mit Worten kaum zu fassen.

Shaft

Und final gibt’s ein Update auf the good old „Shaft“: Der verweichlichte und maximal spießige Sohn des dreckscoolen mittlerweile Ex-Cop John Shaft (S.L.J. in Bestform!) wird beim FBI gefeuert (nee, nee, kein Agent – nur nerdischer Datenanalyst) und heuert seinen seit 20 Jahren nicht gesehenen Daddy an, die schreiende Ungerechtigkeit aufzuklären. Was danach folgt ist eigentlich eher ’ne Buddy-Movie-Action-Komödie und ist im Gegensatz zum Original (Thriller) und zur ersten Fortsetzung (Action-Thriller) nur leidlich spannend. Hier dominieren Wort- und Kanonengefechte, was dann des Öfteren in abartig überzeichneten (und völlig dem Diktat des „Lustigen“ untergeordneten) Situationen mündet. Bloß nicht nachdenken oder sogar hinterfragen, einfach durch und die Figuren genießen.

In diesem Sinne, gehabt euch wohl, ich geh wieder pennen…
Euer Hank Frank Schrader

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