In der einhundertsechzehnten Episode unseres kulinarischen Medien-Podcasts „Voll in die Presse“ servieren wir Tattoo-Brezeln an Mauer-Reis. Die Pommes sind geklaut, denn dann schmecken sie am besten, und das Hähnchen ist in einen Mordfall verwickelt. In der Bank wird statt Totenschein die Leiche persönlich eingereicht und Klopapier gibt’s auch – aber erst nach der Werbung.
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Real-Totenschein und Klopapier-Werbepause
Ein Mann aus dem indischen Odisha wollte auf das Konto seiner kürzlich verstorbenen Schwester zugreifen, konnte aber keinen Totenschein vorlegen. Die Bank wies daraufhin erbarmungslos ab. Mangels Papiere grub der Mann die gerade beerdigte Schwester aus und schleppte sie in die Bankfiliale, um damit ihren Tod zu beweisen. Bankangestellte beschrieben die Aktion wenig überraschend als „sehr unangenehm“ und versprachen, das Anliegen des Leichenträgers mit Priorität zu behandeln – sobald er eine Sterbeurkunde vorlege.
In Peking müssen manche Toilettenbesucher ihr Klopapier erst auslösen, indem sie Werbung auf dem Smartphone schauen (oder einen kleinen Geldbetrag zahlen). Dann gibt der „intelligente“ Spender 60 cm Papier frei. Als Maßnahme gegen Verschwendung angepriesen, sorgt das System online für Empörung. Um sich gegen praktische Probleme wie leere Handy-Akkus oder fehlendes Kleingeld zu wappnen, bringt so mancher nun lieber eigenes Papier mit.
Pommes-Diebstahl und Mörtel-Suppe
Die verbotene Frucht schmeckt tatsächlich besser: Forschende haben in einer Studie nachgewiesen, dass identische Pommes deutlich köstlicher schmecken, wenn man sie heimlich von anderen klaut. Der Effekt war besonders stark, wenn das Risiko erwischt zu werden hoch war – dann bewerteten die Teilnehmenden den Geschmack identischer Pommes am besten. Unser Gehirn würzt sozusagen nach und mischt den Wunsch nach dem Verbotenen, die Aufregung und ein gewisses Schuldgefühl beim Mopsen. Neben dem Auge isst also auch das Gehirn mit.
Zurück nach China: Dort ist Reis nicht nur auf der Speisekarte gut vertreten, sondern auch auf der Baustelle. So wurde bereits beim Bau der Chinesischen Mauer Reissuppe in den Mörtel gemischt. Bei anderen Bauwerken wie Pagoden und Stadtmauern war der Baustoff ebenfalls gängig. Hobby-Handwerker können die chemischen Hintergründe im Magazin „Accounts of Chemical Research“ nachlesen – inklusive Praxistest.
Hähnchen-Mord und Brezel-Tattoo
Eine Frau aus Wisconsin wollte abends mit ihrem Freund ausgehen. Dieser erschien jedoch mit rohen Hähnchenschenkeln, die er in der Heißluftfritteuse zubereiten wollte. Ihrer Abendplanung beraubt, erstach sie ihn mit einem Küchenmesser. Das gab sie im Verhör auch lapidar zu. Außerdem mutmaßte sie, sie hätte wohl einfach in die Kneipe gehen sollen und überhaupt sei die Situation ärgerlich. Außerdem würden die Eltern ihres Freundes sie nun wohl hassen. So treffend die Analyse auch sein mag, spricht sie nicht für einen klaren Geisteszustand (neben der Sache mit dem Mord).
Aber auch außer Haus können Lebensmittel für Ärger sorgen: Bei einer Grünen-Wahlparty in Stuttgart gab es kostenlose Brezel-Tattoos. Die Brezel hatte sich als Cem Özdemirs Wahlkampfsymbol etabliert, nachdem er sie im heimatbetonten Wahlkampf ständig angeboten bekommen hatte. Der Spaß könnte für einen Personenschützer Özdemirs allerdings teuer werden. Der Polizist ließ sich das Motiv stechen und muss sich nun einem Disziplinarverfahren stellen, da die Aktion mehrere dienstrechtliche Fragen aufwirft: War er im Dienst? Hat er mit der kostenlosen Tätowierung verbotenerweise ein Geschenk angenommen? Und verstößt das grüne Wahlkampfsymbol gegen sein Neutralitätsgebot?
Stets neutral und unbestechlich freuen wir uns schon auf die nächste Runde. Und das Beste: Brezelspenden an uns sind völlig legal!
Über diesen Podcast
„Voll in die Presse“ ist der Medienspiegel-Podcast über herrlich schräge Meldungen, Berichte und Social-Media-Posts. Ob nun kurios, peinlich oder einfach nur verrückt, wir sprechen darüber. Dabei geht es nicht nur um die Meldung als solche sondern vor allem auch um die Geschichte dahinter, manchmal sogar um das große Ganze. Vieles ist auf den ersten Blick lustig, manches stimmt auf den zweiten Blick aber vielleicht auch nachdenklich. Auf jeden Fall bietet die Medienwelt unzählige Gelegenheiten für eine angeregte Unterhaltung.
Damit es dabei nicht zu trocken zugeht, gibt es parallel zum Gequatsche eine exquisite „Bottle-Party“. Das heißt konkret, jeder Mitstreiter bringt ein Getränk seiner Wahl mit zur Sendung und wir verkosten dieses während wir unsere Presse-Fundstücke diskutieren. So bekommt der Name „Voll in die Presse“ eine ganz neue Bedeutung. Aufgenommen wird das Ganze im Benanza-Bus, unserem fahrenden Ton-Studio. Das literarische Quartett besteht aus den Herren Sammer, Prollo Ferrari, Beef Rogers und dem Gastgeber Ben Cartwright.
VIDP#116 – Die Artikel
Wikipedia: Indira Gandhi International Airport
Der Standard: Weil Totenschein verlangt wurde: Mann in Indien kam mit Leiche seiner Schwester in Bank
Spiegel: Sie müssen mal während der Fahrt? Entspannen Sie sich einfach
Der Standard: Wer in China Klopapier will, muss zuerst Werbung schauen
Wdr2@instagram: Darmwind ist kein Delikt
Falter.diewochenzeitung@instagram: 150€ Strafe wegen eines „Darmwindes“
Sky.it: Sie betäubt ihren Mann und entmannt ihn in der Gegend von Salerno
Puget Press: Woman Murders Boyfriend After He Brings Chicken To Cook Instead Of Taking Her Out
Spiegel: Brezel-Tattoo auf Grünenparty hat Nachspiel für Polizist
T-Online: Gemopste Pommes schmecken besser
Spiegel: Chinesen bauten Große Mauer mit Reis
Cover-Grafik: Nano Banana 2 / Benanza.Pix
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