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Trailerpark News – Tripple A, Single B

Hurra, hurra, drei Mal A, und noch ein B hinterher – fertig ist die heutige Filmparade! Und das hat auch alles seinen Grund. Langsam aber sicher wächst der digitale Filmberg in unüberschaubare Höhen, da muss man halt vorne anfangen, um den Überblick nicht zu verlieren … Trotz Lockdown im Peniskäfig (der war nur für VidP-Insider – ist ja ein crossmediales Projekt hier!), ich komme einfach nicht mehr hinterher. Das ist vielleicht auch der erhöhten Anwesenheit der Holden, die mir mit Forderungen „Komm, wir gucken mal was Lustiges!“ oder „Hast du nicht noch ne schöne Serie?“ auf die Pelle rückt. Die cineastische Nische wird halt auch immer enger wenn man meist zu zweit ist … herrje!

Amulet

Widerspenstiges und gegen Ende auch widerliches Ding, trotzdem zu empfehlen: Ex-Soldat aus Balkanien vegetiert obdachlos in Londonien rum, bis er von einer gutherzigen aber irgendwie creepy Nonne als „Hausmeister“ in ein verfallenes Kabuff vermittelt wird. Dort pflegt eine vermeintlich attraktive aber auch leicht traumatisierte Tochter ihre vermeintlich demente Mutter auf dem Dachboden rund um die Uhr.

Mit der Zeit wachsen der Hobo und das Hottie zusammen. Der Verfall des Gebäudes und die Geräusche aus der obersten Etage lassen allerdings keine gute Entwicklung erahnen. In zerstückelten Rückblenden und verwirrenden, teilweise auch zähen (Traum?-)Sequenzen wird nie so wirklich klar, wo der Genre-Hase hier herhoppelt. Aber es wird immer sonderbarer, und anders als gedacht: ein schweres feministisch-dämonisch-fesselndes Traumadrama (oha – ein neues Wort!). Muss man nicht mögen, kann man aber.

Antebellum

Tja, wo anfangen? Am besten mit: DO NOT WATCH THE TRAILER! Denn hier sind mindestens zwei fetteste Wendungen auf WTF-Niveau drin, die ohne irgendeinen Background einfach nochmal unmittelbarer in die Magengrube fahren. Es geht um eine in bester amerikanischer Tradition (= mit unfassbar menschenverachtender Härte geführte) Baumwollplantage zu Zeiten des Konflikts zwischen den Nord- und Südstaaten. Zudem sehen wir eine im Amerika von Heute für schwarze Bürgerrechte kämpfende, glamouröse Aktivistin. Und schließlich eine Partynacht alter Freundinnen mit allem Pi, Pa und vor allem Popo.

Wie das alles zusammenpasst soll hier nicht gespoilert werden. Aber den geneigten Zuseher erwarten ascheschwarze Abgründe mit kaum erträglichen Tragödien, eindeutige politische Statements auf der Höhe der Zeit, aber leider auch teils langatmige (und wohl zum Spannungsaufbau gedachte) Laber-Sequenzen. Über das Ende hüllt sich der Mantel des Over-the-Top-Schweigens. Der Film hat in „the Land Of The Free“ für ’ne Menge Diskussionsstoff gesorgt, und das völlig zu Recht. Das Ding ist ein Ereignis, wenn auch meilenweit von Perfektion entfernt!

Antiporno

Als alter (ja, ich bin alt!) Fan von Japan und der japanischen Filmkultur muss ab und zu auch ein Ausflug in diese zuweilen seltsamen Gefilde sein. Und hier ist die „Seltsamkeit“ Programm: Wir wachen auf mit einer nicht wirklich hässlichen Dame in ihrem nicht wirklich geschmacklos eingerichteten Loft. Die Einrichtung ist geprägt von selbstgemachter Pop-Art-Gemälde und Designermöbel. In diesem Setting geht die (anscheinend sehr berühmte) Dame erstmal fein „aufn Pott“ und strullert dabei diverse Weisheiten von sich. Das geht so, bis die Assistentin klingelt und den Tagesplan mit Presseterminen avisiert.

Der filmkulturelle Hintergrund japanischer Erotikfilm-Tradition spielt hier eine entscheidende Rolle. Doch dieses Werk bricht brutal mit diesen Konventionen und zeigt zwar Nacktheit, aber keine Erotik – und schlussendlich wird die sog. „4. Wand“ mehrfach durchbrochen und gespiegelt. Im Ergebnis ein zwar kurzes aber faszinierendes Experiment an der Grenze zur Unbegreifbarkeit (Japan vs. Europa halt, Clash of the Cultures)!

Blizzard of Souls

Kommen wir nun zum Buchstaben B, und da hört der Spaß endgültig auf. War schon mal jemand in Lettland!? Ich schon! Was für ein krass dünn besiedeltes Land (so groß wie Holland mit 10 % der Einwohner). Nach meiner Wahrnehmung sind die Letten unfassbar freundliche Menschen, auch außerhalb von Riga (extravagante Stadt mit ältester Altstadt, modernster Vorstadt, direkt am Meer und Sowjetcharme in einigen kleinen Winkeln). Also als Reiseziel wirklich lohnend.

Der hier vorgestellte Film ist quasi der „Soldat James Ryan“ zur Geburt bzw. Reaktivierung dieses Landes und spielt im Sommer 1915. Und da war alles ziemlich komplex was die politische Gemengelage angeht. Wir folgen einem jungen (16 Jahre jungen) Freiwilligen der erst gegen die Deutschen und dann gegen die Russen in den Krieg zieht. Brachial intensiv inszeniert, tatsächlich eine wahre Geschichte, tatsächlich ohne jedweden Spaß, tatsächlich maximal eindringlich … der Outsider der Woche, und zwar im positiven Sinn!

So, ich tue es der Antiporno-Dame nun nach und werde mit Genuss den Weg zum Abort aufsuchen. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass sich unsere Wege – wohin auch immer – als bald wieder persönlich kreuzen. In diesem Sinne, bleibt gesund!

Euer Hank Frank Schrader

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