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Trailerpark News – Liquid Lunch

Prost Leute, ein flüssiger Imbiss muss heute reichen, drei Bier sind schließlich auch ein Schnitzel! Diese wirklich kreative Marketing-Wortschöpfung eines nicht näher beschriebenen Etablissements in einer nicht näher beschriebenen Schweizer Stadt soll heute mal als Tagesmotto gelten. Und als Weekend-Strohwitwer (einmal mehr) halte ich das durchaus für angemessen – genau so wie die folgende Bewegtbildauswahl. Im Prinzip gilt für alle ein Glotzbefehl, aus unterschiedlichen Gründen. Doch seht selbst was zum Getränk der eigenen Wahl gereicht wird.

The Friendly Beast

Stellt euch folgende Szenerie vor: Verschwitztes Restaurant in Sao Paulo, das Personal ist genervt vom mürrischen und cholerischen Chef. Die wenigen Gäste sind mit „nervig“ noch untertrieben charakterisiert. Als zwei Maskierte den Laden überfallen eskaliert die Situation in alle erdenklichen Richtungen … Hart, gnadenlos, roh, brodelnd, unberechenbar = groß! Die Basisthematik „arm vs. reich“ manifestiert sich hier in einem dramatischen Kammerspiel (der ganze Film spielt ausschließlich in der Kneipe). Schlussendlich kocht die ganze Suppe mit einer Wut und Konsequenz über, sodass Sex, Gewalt, Neid, Missgunst und Verschwörung in Reinkultur serviert werden. Mahlzeit!

Midnight

Eine hörgeschädigte Tochter und ihre ebenfalls hörgeschädigte Mutter stören zufällig in einer verwaisten Ecke von Seoul einen Serienkiller beim Ausüben seiner Tätigkeit. Folglich beginnt eine zum Teil unerträglich spannende Jagd durch den Großstadtdschungel, und die verlangt allen Beteiligten alles ab … Vorweg: Einzelne Entscheidungen und Handlungen einzelner Personen sind so nachvollziehbar wie Quantenphysik. Auch einzelne Logiklücken sind größer als das Ozonloch. Aber das Ding hat ein stetiges schweißtreibendes Tempo und Abwechslung. Der Behindertenthematik der Protagonisten widmet man sich durchaus gesellschaftskritisch (ohne Gehör sind selbst die einfachsten Botschaften in Notsituationen kaum transportierbar bzw. werden von den Hörenden ignorant und überheblich mißverstanden). In meinen Augen steht das koreanische Kino ohnehin durchweg für höchste Qualität, so auch hier!

Sohn der weißen Stute

Zur Story will ich hier wenig sagen, handelt es sich doch um ein ungarisches Märchen und Volksmythos, in dem gottähnliche Prinzen (von einer weißen Stute geboren) versuchen, Prinzessinnen aus der von Drachen beherrschten Unterwelt zu befreien … Entscheidend ist hier die Umsetzung, Bonus die Exotik: Ungarische Trickfilme aus dem Jahr 1981 sind eher selten. Die einfachen aber in ihrer Strahlkraft und LSD-Ästhetik nahezu überfordernden Bilder hauen auch heute noch aus den Socken (in der remasterten HD-Fassung umso mehr). Die komplexe und teils abstruse Erzählweise zieht eine ganz sonderbare Aura um dieses Werk. Hypnotisch, kunstvoll, auf vielen politischen und gesellschaftlichen Ebenen interpretierbar = mehr „Anti-Disney“ geht eigentlich nicht. Und natürlich gibt es keine deutsche Sprachfassung, deswegen im Originalton mit Untertitel nochmal kruder!

Moonfall

Der Emmerich is schon ein Irrer – also positiv gemeint natürlich. Obwohl beim neuesten Werk des „Masters of Disaster“ bin ich mir da nicht mehr so sicher: Der Mond verabschiedet sich aus seiner Umlaufbahn und taumelt Richtung Erde (mit allen physikalischen Folgen). Eine kleine Gruppe bestehend aus zwei Ex-Astronauten und einem leicht wirren Nerd macht sich auf die Welt zu retten, während Militär (natürlich nur die Amis, der Rest der Welt schaut selbstverständlich dem Weltuntergang schulterzuckend zu!) das Ding vom Himmel blasen wollen … Okay, Logik, Physik und auch nur ein klein wenig Restverstand sind hier komplett überflüssig und finden somit auch nicht statt. Auch die komischen Momente (die bspw. INDEPENDENCE DAY noch so aufgelockert haben) sind eher peinlich und platt. Aber die Action ballert das Wohnzimmer zu Klump (auch wenn die ein oder andere Einstellung schon nach ’ner gecrackten China-Software aussieht). Das ist einfach klassisches Bombast-Unterhaltungskino! Vor 20 Jahren bestimmt noch ein großer Erfolg, sind heute die Ansprüche auf allen Ebenen deutlich verschoben, evtl. sollte dem Roland das mal einer flüstern …

No Looking Back

Mutter (fäkalsprachlich sehr bewandert) kommt aus dem Knast und will ihre Tochter (echter Sonnenschein, der bspw. anderen aus Spaß vors Bett kackt!) wieder haben, die sich in Obhut der Oma (ein menschgewordener Kampfpanzer und völlig spaßbefreit) befindet. Was folgt ist eine Roadmovie-Jagd mit den Waffen der Frauen (also vornehmlich Messer, Knarren, Flinten – logo!). Dazwischen kommen Gefängniswärter und -wärterinnen, Polizisten, LKW-Fahrer und potentielle Lebenspartner in jeder denkbaren Art und Weise unter die sprichwörtlichen Räder. Das unausweichliche Finale wird nicht für alle verletzungsfrei enden … ALTER – WHAT A BITCH-MOVIE! Nach dem schon genialen „Why Don’t You Just Die!“ legt der russische Regisseur Kirill Sokolov noch ’ne Schippe drauf. Hier wird zuvorderst sprachlich auf alle Konventionen geschissen, die Handlungen der Protagonisten sind dermaßen konsequent dickköpfig und oft einfach nur mit Wahnsinn zu erklären. Das ist russisch gefärbtes Tarantino-Niveau mit Dicke-Lippe-Garantie – bitter, brutal und doch teilweise richtig süße Familien-/Gesellschaftssatire. Eine Wohltat was Ehrlichkeit und Direktheit angeht!

The Northman

Hamlet – that’s the Story, in einem Wikinger-Setting um das Jahr 900 herum … Und der kleine Amleth muss halt den Mord an seinem Vater aka König durch dessen Bruder mitansehen. Jahre später sinnt er als absurd aufgepumpter Berserker-Hüne auf Rache. Und die wird er bekommen. Kaum in Worten zu beschreiben auf welche Weisen er diese Rache bekommen wird … mythisch, psychologisch aber vor allem physisch werden hier alle Register der Zerstörung gezogen. Alexander Skarsgård IST einfach diese monsterhafte Ausgeburt der Vernichtung. Nicole Kidman IST einfach die undurchschaubare elfenhafte Königsgattin. Ethan Hawke IST einfach der grob geschnitzte aber ehrliche Königsgattinengatte. Anya Taylor-Joy IST einfach die im Geheimen und Dunkeln agierende Slawen-Sklavin. Willem Dafoe IST einfach der irr-wirre Schamane und Hofnarr – man könnte alleine schon bei der Umsetzung der Besetzung niederknien! Dazu liefert Robert Eggers entsprechend unfassbar brachiale, wuchtige, blutgetränkte und erleuchtende Bilder, welche die maximal brutale Schlachteplatte fast zum Kunstwerk formen … in jedem Fall jetzt schon ein Klassiker, zumindest audiovisuell outstanding!

So gehet hin in Durst, möge der Liquid Lunch mit Euch sein! 😉

Euer Hank Frank Schrader

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Titelfoto: Dahee Son / Unsplash

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