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Trailerpark News – Mind the Gap

Oh ja, schön breit sind die Nischen in denen sich das krude Zeug der letzten Wochen tummelt. Da ist für jeden halbwegs abseitigen Geschmack – aber auch für die Markenfetischisten mit Mainstream-Anspruch – etwas dabei! Also, legen wir einfach los und sagen: „Here comes the Trailerpark…“

The Last Duel

Fangen wir von hinten an – zumindest was Mainstream und Alter angeht. Ridley Scott (geschätztes Geburtsjahr 1156 A.D.) knallt unentwegt fette Brecher aus der Hüfte. Da können sich die Jungen U80 echt ’ne Scheibe von abschneiden! Mal wieder historisch-ritterliches Ambiente, mal wieder komplizierte Konstellationen, mal wieder Schlachten und Beef voll in die Fresse, und mal wieder starbesetzt: Matt Damon (mit wirklich einzigartig hässlicher Visage und unangenehmer Präsenz), Ben Affleck (als blondierter Lebemann, surreal …), Adam Driver (der Typ mutiert hier wortwörtlich zum krassesten Fucker) und „The One And Only Hottest Woman In The Universe“ Jodie Comer. Wer „Killing Eve“ noch nicht gesehen hat, soll sich schämen und ’ne Stunde in die Strafecke – mit dem Gesicht zur Wand! Über die Story an sich will ich hier weitestgehend schweigen. Aber die Dreiteilung der Perspektiven der drei Hauptdarsteller und die damit verbundene Unsicherheit was zur Hölle denn da überhaupt passiert ist (und deren Folgen) machen den Reiz des 2,5-stündigen Mittelalter-Augenschmaus‘ aus. Er kann es noch, der alte Mann, und wie!

Last Night in Soho

Sieht aus wie ein LSD-Rausch im Austin Powers-Style, fühlt sich an wie ein Swinging-60s-Psychogramm mit Zeitreise-Loop, hört sich an wie ein Soundtrack aus Zeiten in denen Musik noch Musik war, kombiniert mit den wohl ausdrucksstärksten Girlies unserer Zeit: Was Anya Taylor-Joy und Thomasin McKenzie (googelt selbst, ihr Banausen!) hier an Performance abfackeln, ist einzigartig, spektakulär, geht unter die Haut, hat Verve und Haltung, und kann in dieser Kombination wohl so nie mehr erreicht werden! Alles unter der Regie von Edgar „Cornetto-Trilogie“ Wright. D.h. es gibt ’ne Menge Panik, Schocks und abgrundtief verletzte Seelen. Dieses Mal allerdings befreit von Satire oder Auflockerung. Die Story ist auch eher schwierig zu bescheiben: Junge Modestudentin im London von heute träumt sich zurück in die Sixties nach Soho, wo eine ikonische aufstrebende Sängerin in den Strudel von Prostitution und Gewalt gerät. Doch bald weiß niemand mehr so genau ob hier nur geträumt oder gemorphed wird … grandios komponierte Szenerien verknüpft mit der Präsenz der beiden Mädels und einer latent verunsichernden Grundstimmung. Das Ganze in brachial-bunte Bilder verpackt. Der Streifen wird garantiert ein Klassiker werden!

Titane

Tja, ein Klassiker ist das Dingen hier jetzt schon – allerdings wohl nur für eine sehr speziell tickende Klientel. Die Story klingt erstmal sehr verstörend. Französin (seit Kind durch Unfall mit Metallplatte im Kopp) kopuliert mit einem Auto, auf dem sie vorher ihren Job als Striptease-Tänzerin nachgegangen ist. Daraufhin wird sie schwanger (vom Auto, kein Scheiss!) und gibt sich – weil nebenbei diverser brutaler Morde schuldig gemacht – dann als vermisster Junge aus. Sie landet in einem Umfeld voller Macho-Feuerwehrleute in der Vorstadt, wo sie sich (trotz wachsendem Ranzen – das „Kleine“ entwickelt sich halt schnell!) inkognito „als Mann unter Männern“ beweisen muss. Das klingt nicht nur gestört, sondern ist es auch. Aber: Bildkompositorisch und schauspielerisch (die Hauptdarstellerin in ihrer ersten Rolle, krass!) auf einer selten gesehenen schmerzhaften Ebene. Ein fast dauerhaftes Soundgewitter bringt die Home-Cinema-Anlage und das Gehör an Grenzen. Und das Ende lässt einen erst recht völlig verstört und erschöpft zurück – Wer dachte das wäre ein Trashfilm oder hätte nur einen Funken von Ironie oder Satire im Subtext, der irrt. Das Ding macht im besten Sinne mal gar keinen Spaß!

Texas Chainsaw Massacre (2022)

Womit wir bei der ursprünglich spaßbefreiten TCM-Neuverfilmung via „Netflix“ wären – ich mach’s kurz: Wohl die derbste Schlachtplatte der Reihe und auf „Netflix“ überhaupt. Wäre im Kino oder auf DVD never ever durch die FSK gegangen: Es wird zerteilt, zermatscht, zertrümmert, zersägt und zerquetscht bis zum (natürlich halboffenen) Ende! Wird nicht jedem gefallen (weil Kotzgefahr, v.a. durch die dummen überheblichen Hipster-Opfer). Aber das sieht alles nach A-Liga aus. Das 2022er-Update macht keine Gefangenen, überrascht im gegebenen Rahmen mit brachialen Jumpscares und legt das Kettenblatt in viele offene Wunden unserer Pseudo-Woken-Heuchler-Gutmenschen-Arschloch-Gesellschaft. Weder dumm noch ungeil, weder medium noch durchgebraten. Hier wird noch roh und direkt vernichtet!

Killer’s Bodyguard 2

Roh und direkt ist hier vor allem die Sprache: Teil 1 war noch auf einem halbwegs vorzeigbaren Level für den Durchschnittszuschauer. Doch nun haut v.a. Salma Hayek (die Alte wird auch immer krasser, Himmel hilf!) Sprüche und Hiebe raus wie es kaum gedacht werden kann! Unterstützt und tatsächlich noch weit abgeschlagen durch einen nicht weniger feingeistigen Samuel L. Jackson (auch schon deutlich über 70, wie macht der dat nur!?). Und dann ist da noch „Mister Großmaul himself“ Ryan Reynolds, dem wir bei einer völlig sinnbefreiten Hatz quer durch Europa zusehen. Dort versucht ein übler Schurke (ein eher unbekannter Nachwuchsdarsteller mit Namen Antonio Banderas) die Weltherrschaft an sich zu reißen … Wer Teil 1 verpasst hat, muss zwar wieder in die Strafecke (s.o.), aber kann dem irrsinnigen und maximal übertriebenen Geschehen hier durchaus folgen (weil egal was passiert, denn es passiert immer was, Sinn macht das alles wenig!). Mainstream-Action mit Fuckfinger im Po, es war zu befürchten und zu erhoffen!

Possessor

Brandon Cronenberg ist der Sohn von David, dem Meister des Body-Horrors überhaupt (Videodrome, Existenz, The Fly, Naked Lunch, etc.). Und Sohnemann schießt mit ähnlichen Mitteln so gekonnt aus dem Schatten des Seniors, dass einem Hören und Sehen vergeht: Weirde Auftragsmörderin ist Teil einer Institution, die sich via Implantat in fremde Menschen/Gehirne hackt. Die so „ferngesteuerten“ Opfer vollziehen gezielt Morde mit anschließendem Suizid. Doch diese wechselnde Vernetzung mit fremden Gedanken und Körpern macht der immer labiler werdenden Assassinin doch zu schaffen. Nach und nach verschwimmen die Grenzen zwischen wer, was und überhaupt … Creepy! Böse! Anstrengend! Gemein! Wahnsinnig! Quälend! Mit mehr Story-Böden als man verarbeiten kann. Optisch überragend umgesetzt: Wir sehen dies aber fühlen das. Macht absolut keine gute Laune und wird für viele erstmal „unansehbar“ sein – für mich ein Meisterwerk!

Uff, nun bin ich erschöpft … aber ihr habt’s nicht anders gewollt. Ich ziehe mich schnell in meine Nische zurück. Have „Fun“!

Euer Hank Frank Schrader

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Titelfoto: Elti Meshau / Unsplash

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