Rage Revolution Streetart (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)
Magazin Musiktruhe

Oldies, but goldies – Rage Revolution

Zumindest in der Generation Golf kennt jeder dieses Intro. Vier harte Schläge in die Saiten der Stromgitarre gefolgt von einer der wohl simpelsten aber zugleich eingängigsten Basslinien der Musikgeschichte: A6 A6 A6 – D0 D0 D0. Na, habt ihr den Song schon im Ohr? Dumm, dumm, dumm, damm, damm, damm…

„Killing in the name“

Richtig, die Rede ist von „Rage against the machine“ und ihrem Tanzflächen-Killer „Killing in the name“. Im Jahr 1992 als erste Single-Auskopplung des selbstbetitelten Debütalbums veröffentlicht ist dieser Song einfach nicht tot zu kriegen. Und das ist gut so. Wann immer irgendwo mit Gitarrenmusik gefeiert wird erklingt irgendwann besagte Basslinie und saugt Tanzwütige aller Altersstufen auf die Tanzfläche. Jeder DJ weiß, dass dieser Song ab einer gewissen Grundstimmung zündet wie eine Bombe.

Wenn es eine Top-Ten der Songs gäbe, zu denen ich mit meinem nicht immer tanzwilligen Körper am häufigsten und unkontrolliertesten durch die Gegend gehüpft bin, dieser Track wäre ganz weit oben. Der Song hat alles, was es zum Abrocken braucht: treibende Bässe, hammergeile Gitarrenriffs und Lyrics, die man einfach immer und immer wieder mitschreien möchte. „Some of those that where on forces, are the same that burn crosses“ oder „Now you do what they told ya“ und natürlich „Fuck you, I won’t do what you tell me“! Muss man mehr sagen?

„Bombtrack“

Ein einzelner Song macht natürlich noch kein goldenes Album. Und deshalb haben die vier Jungs aus Los Angeles auf ihr Debütalbum einfach mal zehn Bomben-Tracks gebannt, die vor Kraft und Energie nur so strotzen. Einer heißt passender Weise gleich so: „Bombtrack“, der eigentlichen Opener dieses legendären Albums wurde 1994 als insgesamt dritte Single (nach „Freedom“) ausgekoppelt. Der Song thematisiert soziale Ungerechtigkeit und rechnet unter anderem mit den bösen „landlords and power whores“ ab.

Ganz langsam schleicht sich das Gittarenriff zu Beginn des Songs an, fast wie eine brennende Lunte. Und genau wie diese mündet das Riff schließlich in einer musikalischen Explosion. „Burn, burn, yes you’re gonna burn“ schreit uns Zach de la Rocha entgegen. Während der sonst für dieses Album typische Mix aus Metal, Hip-Hop und Funk hier noch eindeutig metallastig bleibt sind wir beim ebenfalls typischen Rap-Gesang schon im Opener voll auf Sendung. Besonders deutlich kommt der Stil von Frontmann de la Rocha übrigens bei „Take the Power back“, dem dritten Song des Albums, zur Geltung.

„Bullet in the Head“

Wer dagegen den Cross-Over-Stil von Rage against the machine in Reinform genießen möchte, der greife zu „Bullet in the Head“, der vierten und letzten Single des Albums. Anfangs marodiert der Titel durch die Gegend wie ein klassischer Hip-Hop-Track, dem man etwas Stromgitarre und E-Bass beigemischt hat. Frontmann de la Rocha klärt uns dabei rappend über die Zwänge der amerikanischen Gesellschaft auf: „They say jump, you say how high“. Aber dann…

Ja genau, denn dann lässt die Band einmal mehr das Tier von der Kette. Die Gitarren werden härter, lauter, schneller. Tempowechsel. Bass und Drums treiben sich gegenseitig an, der Rap-Gesang steigert sich einmal mehr zu Geschrei und das fette Riff hebt schließlich vollends ab. Wow. Einfach nur wow.

Ein Album mit Charakter

Überhaupt sind die immer wieder gekonnt in einander fließenden Tempo- und Stilwechsel das wohl charakteristischste Merkmal des „Rage against the machine“-Erstlings. Ein gutes Beispiel dafür ist „Know your Enemy“, einem meiner persönlichen Lieblingstracks des Albums. Der Song geht ab wie Schmitz‘ Katze, nimmt sich aber immer wieder die Zeit für ein experimentelles Zwischenspiel. Aber das auch nur, um dann wieder die Katze wieder ordentlich aus dem Sack zu lassen. Sicher nicht so tanzbar, wie „Killing in the name“, aber auf jeder Stereoanlage eine absolute Referenz.

Als Stereo-Referenz noch besser geeignet ist neben dem bereits erwähnten „Take the Power back“ in meinen Augen nur „Wake up“. Deutlich grooviger als die vorherigen Nummern, aber nicht weniger treibend und mitreissend. Zudem besticht der Song mit einzigartigen Klangsphären, an denen nicht nur Boxen-Tester ihre wahre Freude haben. Nicht umsonst hat es dieser Song auf den Soundtrack des ebenfalls sphärisch anmutenden Sci-Fi-Films „Matrix“ geschafft. Und laut Booklet alles mit reiner Handarbeit (“no samples, keyboards or synthesizers used in the making of this record”).

Ein Album das bleibt

Die englische Zeitschrift „Q“ betitelte das Album 2001 als „eines der 50 heftigsten Alben aller Zeiten“. Das amerikanische Musikmagazin „Rolling Stone“ führt die Scheibe u.a. in ihrer Liste der 100 besten Debütalben aller Zeiten. Außerdem findet es (selbstverständlich) Erwähnung in Robert Dimerys Buch „1001 Albums You Must Hear Before You Die„. In vielen weiteren Hitlisten finden sich weitere Einträge.

Das Cover zeigt das 1963 von Malcolm Browne aufgenommene berühmte Foto des buddhistischen Mönchs Thích Quảng Đức aus Vietnam, auf dem er sich selbst verbrennt. Er protestierte damit gegen das Regime von Staatspräsident Ngô Đình Diệm und dessen Unterdrückung des Buddhismus. Mit Erfolg: US-Präsident entzog der vietnamesischen Regierung in der Folge die Unterstützung.

Die Parallele zu dem so bebilderten Album liegt auf der Hand. Auch Rage against the machine wollten mit ihrem Knallerdebüt aufrütteln, zwar nicht mit Benzin, aber mit explosiven „Bombtracks“. Donald Trump sollte deshalb gewarnt sein, hat die Band doch Anfang November 2019 bekanntgegeben, dass sie ab März 2020 erstmals wieder in Originalbesetzung vereinigt auftreten werde, acht Monate vor der nächsten US-Präsidentschaftswahl.

Playlist:

Bombtrack – 4:05
Killing in the Name – 5:14
Take the Power Back – 5:37
Settle for Nothing – 4:49
Bullet in the Head – 5:09
Know Your Enemy – 4:57
Wake Up – 6:04
Fistful of Steel – 5:31
Township Rebellion – 5:25
Freedom – 6:06

Mehr Hintergrundwissen zum Album „Rage against the machine“ unter https://en.wikipedia.org/wiki/Rage_Against_the_Machine_(album).

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