Bengalos im Berliner Olympia-Stadion
Magazin Sportplatz

Karneval in Berlin

Karneval im Berliner Olympiastadion, wieso? Die Antwort ist einfach: Der gern als Karnevalsverein titulierte 1. Fußballclub Köln hat sein Gastspiel in der Hauptstadt zu einem fulminanten Sieg genutzt und Hertha BSC mit 5 zu 0 regelrecht demontiert. Doch am Ende zeigten sich beide Seiten humorvoll. Die Kölner Fans feierten den fast schon historischen Auswärtssieg mit lauten „Jürgen Klinsmann“-Sprechchören. Die verbliebenen Herthaner in der Ostkurve, die sich dem vor Anpfiff live vorgetragenen Credo Frank Zanders anschlossen und „nur nicht nach Hause“ gegangen waren, ließen sich verbal nicht lumpen. Sie antworteten mit einem ironischen „Oh wie ist das schön!“. Jenseits der sonst üblichen Ultra-Dauerbeschallung ist dies doch genau das, was einen Stadionbesuch ausmacht.

Berliner FC-Stammtisch

Stammtisch 1. FC Köln Wehrle
Stammtisch für FC-Fans im Berliner Exil (Foto: Rainald Benzler / Benanza.Pix)

Der Tag fing mit einem Besuch des sogenannten Botschafter-Stammtischs im Berliner Gaffel-Haus an. Um 11 Uhr morgens stellten sich Präsident Wolff, Finanzchef Wehrle und der Fanbeauftragte Mendel den Fragen der Berliner FC-Mitglieder. Neben Dauerbrennern wie dem Ausbau des Geißbockheims und des Stadions wurden auch Themen wie das miese Catering in Müngersdorf und das ebenfalls nicht immer überzeugende Stellungsspiel Timo Horns angesprochen. Alexander Wehrle fragte dann auch in die Runde, warum Trainer Markus Gisdol anfangs so kritisch gesehen wurde (siehe hierzu auch die Einlassungen bei Benanza Online). Neben taktischen Aspekten (Offensivtrainer, der eine defensiv angeschlagene Truppe wieder aufrichten sollte) wurde das von den Fans wohl auch an seiner HSV-Vergangenheit festgemacht.

Gisdol als Taktikfuchs

Jedenfalls konnte man ein paar Stunden später im Olympiastadion schön sehen, dass Gisdol durchaus in der Lage ist, eine Mannschaft taktisch clever einzustellen. Auch die Ausfälle der Stammkräfte Hector, Katterbach und Bournauw wusste er zu kompensieren. Die präzise vorgetragenen Konter wurden von Doppelpacker Córdoba und Kainz (unter gütiger Mithilfe von Hertha-Keeper Jarstein) erfolgreich abgeschlossen und mündeten in einer 3-0-Pausenführung. Bei dem Berliner Anhang herrschte blankes Entsetzen, So vorgeführt wurde die „Alte Dame“ bei allem spielerischen Elend selten.

Olympia-Stadion Berlin Mannschaft 1. FC Köln
„Standing ovations“ zum verdienten Auswärtssieg (Foto: Rainald Benzler / Benanza.Pix)

In der Halbzeit stand das ganze Stadion ob der Verletzung von Rafael Czichos unter Schock, der sich bei einem Zusammenprall am Hals verletzte. Nach minutenlanger Behandlung musste er mit der Trage aus dem Stadion transportiert werden. Das Saisonaus droht. Nach dem Pausentee brannten die Hausherren ein kurzes Strohfeuer ab, vergaben aber ihre Chancen kläglich. Mit dem nächsten Konter war der Ofen dann aus. Der blendend aufgelegte Hector-Ersatz Elvis Rechbecaj bediente Ösi-Flitzer Kainz, der zum zweiten Mal in diesem Spiel traf. Abgerundet wurde der Sahne-Auftritt der Kölner mit einem Icke-Häßler-Gedächtnis-Freistoß von Mark Uth, der es sich nicht nehmen ließ, sein Tor vor dem Gästeblock adäquat zu feiern. „Kölle Alaaf“, rot-weiße Freude und viel Spott von allen Seiten für die blau-weiße Hertha!

HERTHA BSC vs. 1. FC KÖLN (0-5)
Olympiastadion (Berlin), 46.207 Zuschauer
Bundesliga (1. Liga)
23. Spieltag, 22.02.2020, 15.30 Uhr

Torschützen:
0-1 Córdoba (4.)
0-2 Córdoba (22.)
0-3 Kainz (39.)
0-4 Kainz (62.)
0-5 Uth (70.)

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