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Minnesota und die lila Menschenfresser

Die Minnesota Vikings stehen in den Division Finals des Super Bowls 2020. Allen weniger Football-Begeisterten sei gesagt, dass es sich dabei um quasi das Viertelfinale der Meisterschaftsrunde in der National Football League (NFL) handelt. Gegner sind die San Francisco 49ers, die eine überraschend starke Saison gespielt haben. Bereits in der Vorwoche hatten die Vikings als Außenseiter die New Orleans Saints in der Wildcard-Runde besiegt. Nun gibt es also eine weitere Gelegenheit, Geschichte zu schreiben.

The „Purple People Eaters“

Geschichte geschrieben haben die 1961 gegründeten Minnesota Vikings schon häufiger, wenngleich es bis dato noch nie zum Superbowl-Champion gereicht hat. Allerdings standen sie zwischen 1970 und 1977 vier Mal im Endspiel (Super Bowl IV, VIII, IX und XI) – und gingen jedesmal als Verlierer vom Platz. Ein Titelgewinn steht dennoch auf ihrem Briefkopf. Im letzten Jahr vor Einführung des Super Bowls wurde das Team NFL-Meister 1969. Maßgeblich dazu beigetragen hat ihre legendäre Defensive Line, die „Purple People Eaters“.

Von den späten 1960er bis zu den späten 1970er Jahren formten Alan Page (#88), Carl Eller (#81), Jim Marshall (#70) und Gary Larsen (#77) eine der furchteinflößendsten Verteidigungen der NFL-Geschichte, die lila Menschenfresser oder eben im Original, „Purple People Eaters“. Defensive Tackle Larsen wurde Mitte der 1970er Jahre durch Doug Sutherland ersetzt. Der Spitzname geht auf ein gleichnamiges Lied von Sheb Wooley aus dem Jahr 1958 zurück und spielt natürlich auf die Effizienz der Verteidigung und die Farbe ihrer Uniformen an.

Legenden unter sich

Unter dem Motto „Meet at the quarterback“ zerstörte das Quartett über ein Jahrzehnt lang die gegnerischen Angriffsversuche (und -linien) und erwarb damit nicht nur in Minneapolis einen wahren Kultstatus (siehe Video). Noch heute zählen die „People Eaters“ zu den bekanntesten Abwehrblöcken in der Geschichte der NFL. Häufig nennt man sie im selben Atemzug wie andere legendäre Abwehrreihen, wie den „Fearsome Foursome“ der Los Angeles Rams in den 1960er und frühen 1970er Jahren, dem „Steel Curtain“ der Pittsburgh Steelers in den 1970er Jahren und der „New York Sack Exchange“ der New York Jets in den 1980er Jahren.

Angesprochen auf den heute legendären Spitznamen sagte Team-Captain Jim Marshall einmal, dass die Spieler den Namen „Purple People Eaters“ eigentlich gar nicht mochten und sich lieber „The Purple Gang“ nannten. Aber da hatte sich der unliebsame Name längst verselbstständigt. Den größten Erfolg feierten die lila Menschenfresser sicherlich mit ihrer NFL-Meisterschaft im Jahr 1969. Im selben Jahr schafften es alle vier in den Pro Bowl – das alljährliche All-Star-Spiel. Insgesamt wurden es 19 Pro-Bowl-Teilnahmen. Carl Eller und Alan Page wurden für ihre Leistungen später sogar in die „Pro Football Hall of Fame“ aufgenommen. Warum insbesondere Jim Marshall diese Ehre bislang verwehrt blieb, wundert viele Fans, Spieler, Trainer und Sportjournalisten noch immer.

Jim Marshall auf Abwegen

Bis heute hält Jim Marshall zahlreiche NFL-Rekorde. Er ist unter anderem der Defense-Spieler mit den meisten gespielten Saisons (20), mit den meisten Spielen in Folge (282) und den meisten Spielstarts (270). Außerdem hält er den Rekord für die meisten Ballgewinne nach einem Fumble, also einem gegnerischen Ballverlust. Unvergessen bleibt auch eine Szene von Jim Marshall aus dem Oktober 1965. Auch damals standen die Vikings den San Francisco 49er gegenüber. Nach einem Fumble nahm Marshall das Ei auf und rannte damit 66 Yards in die Endzone. Dummerweise war es die eigene. Wünschen wir den Vikings, dass sie die Endzone der 49ers diesmal nicht aus den Augen verlieren.

Links & Videos

Wikipedia: Minnesota Vikings
Wikipedia: The Purple People Eaters
YouTube: Best of „Purple People Eaters“
Vikings-Homepage: The Purple People Eaters
YouTube: Sheb Wooley – Purple People Eater
YouTube: Jim Marshalls legendärer Irrlauf

Vikings-Trikot Randy Moss NFL
Kein „People Eater“ aber auch in der „Hall of Fame“ – Trikot von Randy Moss (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

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