Supermond Slider Mondlandung (Ben Fischer / Benanza.Pix)
Magazin Stichtag

„The Eagle has landed“ – Faszination Mondlandung

Als die Astronauten Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins am 16. Juli 1969 ihre Reise zum Mond begannen, schauten Millionen Menschen weltweit gebannt zu. Um genau 13:32:00 Uhr (UTC) hob ihre Saturn-V-Rakete vom Launch Complex 39A des Kennedy Space Center in Florida ab. Die Fernsehübertragung der Mondlandung vier Tage später sollen sogar bis zu 600 Millionen Menschen live verfolgt haben. Noch heute – nach über 50 Jahren – fasziniert dieses Ereignis auch nachfolgende Generationen. Dafür sorgen unter anderem eine mit neuem Material atemberaubend bebilderte Dokumentation und ein Podcast der BBC.

„Apollo 11“

Apollo 11 war die erste bemannte Raumfahrtmission mit einer Mondlandung. An Bord eben jene heute weltbekannten Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins. 1961 hatte der damalige US-Präsident John F. Kennedy das Ziel ausgegeben, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und wieder sicher zurück zur Erde zu bringen. Mit Apollo 11, dem bis dato fünften bemannten Flug des Apollo-Programms der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, gelang es endlich, dieses Ziel zu erreichen. Zuvor hatten sich die USA und die Sowjetunion seit den 1950er-Jahren einen wahren Wettlauf ins All und zum Mond geliefert.

Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins
Die Crew der „Apollo 11“-Mission: Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins (Foto: NASA)

Mit dem Dokumentarfilm „Apollo 11“ ließ der Regisseur Todd Douglas 2019 die Mondlandung anlässlich ihres 50. Jahrestags noch einmal Revue passieren – in nie gesehener Bildqualität. Von den Startvorbereitungen über die Mondlandung bis zur sicheren Rückkehr zur Erde schildert der Film den gesamten Verlauf der Apollo-11-Mission. Und er kommt dabei ohne jeglichen Off-Kommentar aus. Verwendet wurden ausschließlich originales, z.T. noch nie veröffentlichtes Filmmaterial der NASA und historische Tonaufnahmen. Dank digitaler Aufbereitung wirken die Bilder fast unnatürlich scharf und detailreich. Man mag kaum glauben, dass die NASA schon damals derart faszinierende Bilder, etwa aus einem abgesprengten Raketenmodul, aufzeichnen und zur Erde übertragen konnte.

Auch vom Mond selbst, der Landung und den ersten Schritten sowie der anschließenden Rückkehr in den Orbit bekommt man spektakuläre Bilder zu sehen. Dabei schildert der Dokumentarfilm die Geschehnisse in einer chronologischen Genauigkeit und stellt die Abläufe präzise dar. Als dramaturgisches Stilmittel dienen lediglich die gelegentlich eingeblendeten Grafiken und die zuweilen spannungsgeladene Musik. Auf diese Weise entstand ein gleichermaßen atemberaubendes wie authentisches Zeitzeugnis, das absolut sehenswert ist.

„13 Minutes to the Moon“

Das nicht minder empfehlenswerte akustische Pendant dazu ist der ebenfalls 2019 erschienene Podcast „13 Minutes to the Moon“ der BBC. Titelgebender Aufhänger des Podcasts ist die finale Phase der Mondlandung. Während Collins im Kommandomodul des Raumschiffs Columbia zurückblieb und in der Mondumlaufbahn seine Kreise zog, setzten Armstrong und Aldrin bekanntermaßen mit der Mondlandefähre Eagle ihre Reise zum Mond fort („powered descent“). Auch hier ist man hautnah dabei, wenn während dieser letzten 13 Minuten ein Problem das nächste jagt. Zunächst sind es bis dato unbekannte Computerfehler („1201“ und „1202“), dann der ausgehende Treibstoff und die ungünstige Beschaffenheit des Landeplatzes, die den Astronauten zu schaffen machen.

Landefahrzeug "Eagle" Mondlandung NASA
Die Landefähre „Eagle“ kurz nach der Trennung vom Mutterschiff „Columbia“ (Foto: NASA)

Letztlich übernahm der Kommandant der Mission, Neil Armstrong, die manuelle Steuerung der Eagle, lenkte sie vom felsigem Gelände weg und landete sie sicher am 20. Juli 1969 um 20:17 Uhr (UTC) auf dem Mond. Seine ersten Worte von dort an die Bodenstation waren „Out of DETENT“. Zu diesem Zeitpunkt war lediglich Treibstoff für weitere 17 Sekunden verblieben, um entweder zu landen oder die Mission abzubrechen. Das nennt man wohl eine Punktlandung. Kurz darauf gab Armstrong mit den berühmten Worten „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed“ die Landung bekannt. Idealer Stoff für einen fesselnden Podcast.

“That’s one small step for man… one… giant leap for mankind.”

Neil Armstrong
Der Original-Tonmitschnitt von Neil Armstrongs berühmten Worten (Quelle: NASA)

Sechs Stunden später kletterte Neil Armstrong in den frühen Morgenstunden des 21. Juli aus der Mondlandefähre, betrat um genau 02:56:20 Uhr (UTC) als erster Mensch den Mond und sprach die wohl meistzitierten Worte der Raumfahrtgeschichte. Buzz Aldrin folgte rund 20 Minuten später. Jahrzehnte später gab Armstrong zu, dass er sich einen Versprecher geleistet habe. Eigentlich habe er sagen wollen: „That’s one small step for a man…“, doch das kleine „a“ ging in der Aufregung unter. Der Wirkung des Zitats hat es jedoch keinen Abruch getan, kennt doch noch heute jeder diese Worte.

Mond Astronaut Buzz Aldrin NASA
Buzz Aldrin macht den Moonwalk, fotografiert von Neil Armstrong (Foto: NASA)

Nach einem knapp 22-stündigen Aufenthalt startete die Eagle wieder von der Mondoberfläche und kehrte zum Mutterschiff Columbia zurück. Mit an Bord unzählige Foto- und Filmaufnahmen, wissenschaftliche Erkenntnisse und erstmals auch Gesteinsproben von einem anderen Himmelskörper. Was folgte war schier grenzenlose Begeisterung für diese Heldentat, an der insgesamt rund 400.000 Menschen weltweit mitgewirkt hatten. Dem Pionierflug der Apollo 11 folgten weitere fünf Mondlandungen: Apollo 12 (19. November 1969), Apollo 14 (5. Februar 1971), Apollo 15 (30. Juli 1971), Apollo 16 (20. April 1972) und Apollo 17 (11. Dezember 1972). Insgesamt haben in den Jahren 1969 bis 1972 also zwölf US-amerikanische Raumfahrer den Mond betreten. Aber keine dieser Mondreisen ist der Menschheit so in Erinnerung geblieben, wie die der Herren Armstrong, Aldwin und Collins.

Chronologie der Mondreisen

Der erste von Menschen konstruierte Raumflugkörper auf dem Mond war die sowjetische Sonde Lunik 2, die am 13. September 1959 gezielt auf dem Mond aufschlug. Der US-amerikanische Flugkörper Ranger 4 stürzte nach einem Kontaktabbruch am 26. April 1962 auf der Rückseite des Mondes ab. Die Raumsonden Ranger 7, 8 und 9 konnten 1964 und 1965 vor ihrem Aufschlag (planmäßig harte Landungen) jeweils Tausende von Bildern zur Erde übertragen. Am 3. Februar 1966 landete die sowjetische Luna 9 als erster Flugkörper weich auf dem Mond, und mit Surveyor 1 am 2. Juni 1966 auch erstmals eine US-amerikanische Sonde.

Mond Landeplätze Apollo-Missionen NASA
Übersicht der Apollo-Landeplätze (Foto: NASA / Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio)

Die erste bemannte Flugmission zum Mond (ohne Landung auf dem Trabanten) war Apollo 8 im Dezember 1968. Frank Borman, William Anders und James („Jim“) Lovell umkreisten den Mond 10-mal und waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Rückseite des Mondes sahen. Am 21. Juli 1969 betraten im Zuge der Mission Apollo 11 die ersten Menschen den Mond, Neil Armstrong und Buzz Aldrin. In den folgenden drei Jahren fanden fünf weitere bemannte Mondlandungen des Apollo-Programms statt.

Vermutlich versuchte die Sowjetunion, noch vor Apollo 11 Mondgestein zur Erde zu bringen. Dies gelang allerdings erst mit der am 20. September 1970 gelandeten Sonde Luna 16. Das geplante sowjetische bemannte Mondprogramm wurde nicht verwirklicht. Als dritter Nation gelang der Volksrepublik China eine weiche Mondlandung; die chinesische Sonde Chang’e-3 setzte am 14. Dezember 2013 auf dem Mond auf. Am 3. Januar 2019 landete mit Chang’e-4 erstmals eine Sonde auf der Mondrückseite.

Originalaufnahme der ersten Schritte auf dem Mond (ab Min. 03:30, Quelle: NASA)

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