Zlatan Ibrahimovic CenturyLink Field
Magazin Sportplatz

Einmal Zlatan und zurück

Zlatan Ibrahimović ist eine Naturgewalt. Den schwedischen Halbgott einmal live Fußball spielen zu sehen, war daher ein lang gehegter Wunsch. Nicht nur wegen seiner oft spektakulären Spielweise sondern auch, weil ihn – würde er diese Zeilen lesen – vermutlich die Bezeichnung „Halbgott“ ärgern würde. Unter dem Rang eines Gottes macht es ein Zlatan Ibrahimović bekanntlich nicht, Eric Cantona kann das bestätigen.

„Er sollte wissen, dass ich in Manchester nicht König werden will, ich werde Gott in Manchester!“

Zlatan Ibrahimović zu den Sticheleien von United-Legende Eric Cantona, der in Manchester „King Eric“ genannt wurde

Nun also war es soweit. LA Galaxy kam samt Superstar Zlatan nach Seattle zum Sounders FC während der Autor dieser Zeilen im knapp zwei Stunden entfernten Vancouver weilte. Da Seattle auch ohne Zlatan Ibrahimović eine Reise wert ist, wurde der Roadtrip durch Westkanada in die US-amerikanische Küstenstadt ausgeweitet. Wie gesagt, mit dem Auto sind es ja eigentlich nur zwei Stunden. Allerdings enthält diese Rechnung nicht den Faktor X. Und der heißt hier Stau und Homeland Security.

Kein Herz für Fußballfans

Laut kicker.de war die Partie zwischen Seattle und Los Angeles komfortabel um 15.30 Uhr (PDT) angesetzt. Entsprechend entspannt ging es vormittags von Vancouver los in Richtung US-Grenze. Dem ersten Stau nahm die clevere Navigations-App noch den Wind aus den Segeln. Bei den meist auf Abschreckung bedachten Grenzbeamten war aber auch die App machtlos. Eine geschlagene Stunde Autokorso vor der Grenze mündete in einem nur wohlwollend klingenden „Let’s get you guys some new stamps“ – samt Inspektionssticker auf der Windschutzscheibe.

Inspektion Grenzkontrolle US-Grenze
US-Grenzkontrolle – Viel Spaß beim Schlangestehen (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

Eine weitere Stunde verging mit Auto abstellen, Schlange stehen, US-Grenzern beim ausgedehnten Schichtwechsel zuschauen, strenger Befragung und dafür auch noch zahlen müssen. Die mit ordentlich Pyrotechnik aufgemotzte Eröffnungsshow war damit bereits gestorben. Und weil das Schlange stehen gerade so gut lief, gab es anschließend auch auf dem Freeway mehrfach Gelegenheit dazu. Mit jedem Stau starb ein Stück des Spiels und ein Stück der erhofften Zlatan-Show.

Wer wagt, gewinnt

Doch Amerika ist bekanntlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, man muss sein Glück nur suchen. Also ging es trotz über einstündiger Verspätung auf schnellstem Wege zu Seattles atemberaubender Fußball- und Football-Arena, dem CenturyLink Field. Siehe da, der Anpfiff des Spiels hatte sich auf 16.00 Uhr verschoben. Beim Betreten der Ränge lief gerade die Schlussphase der bis dahin ereignisarmen ersten Halbzeit. Doch die hatte es dann in sich.

CenturyLink Field Seattle Football Soccer
CenturyLink Field – Ein Traum von einem Stadion (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

Noch in der Nachspielzeit ging Seattle durch einen konsequent ausgespielten Konter in Führung. Hinter dem Tor flammten zwei Feuerfontainen auf. Seattle hatte ein Feuerwerk gezündet, das seinen wahren Höhepunkt in Halbzeit zwei haben sollte. Und Zlatan? Der trabte vor dem Führungstreffer etwas lustlos über den Platz und anschließend in die Kabine. Halbzeit. Endlich Zeit, ein wahrlich tolles Stadion wirken zu lassen. Fußball in den USA, das heißt viel Tamtam, Bier und gute Laune auf den Rängen. Und eine wirklich coole Marching Band in Reihe eins.

Eine Halbzeit voller Spektakel

Doch das ganze Spektakel rund um das Spiel war nichts zu dem, was beide Teams nach der Pause ablieferten. Als hätten sich die Kontrahenten die wahren Highlights für Durchgang zwei aufgehoben entwickelte sich das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch. Dem 2-0 für Seattle folgte der Anschlusstreffer durch Mr. Ibrahimović persönlich. Umringt von zwei Verteidigern und dem herauseilenden Torwart stieg er nach einer Ecke in die Luft und netzte locker per Kopf ein. Da war er, der erhoffte Zlatan-Moment. Kurz darauf fiel sogar der Ausgleich, gefolgt von der erneuten Führung für Seattle, keine zwei Minuten später.

Zlatan Ibrahimovic Tor Seattle
Anschlusstreffer für LA Galaxy – Zlatan netzt mal wieder ein (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

Weitere vier Minuten später glich Galaxy abermals aus. Auch Dank Zlatan Ibrahimović, der sich zu seinem eigenen Leidwesen zwar nicht mehr nennenswert in Szene setzen konnte, aber allein durch seine Präsenz Gegenspieler an sich zog und Räume schaffte. Diese nutze Jorgen Skjelvik, der bis dahin drei Jahre nicht mehr getroffen hatte, in der 81. Minute zum 3-3. War das noch zu toppen?

Ja, denn anders als der zunehmend mit sich oder wohl eher mit seinen Mitspielern hadernde „Ibra“ gaben sich die Sounders nicht auf. Wie gesagt, man muss sein Glück nur suchen. Genau das tat Seattle an diesem Nachmittag mit begeisterndem Offensivfußball. Und dieser Drang zum Tor wurde belohnt. Eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit ging das grün-blaue Heimteam ein letztes Mal in Führung: 4-3. Feuerwerk. Jubel. Blaskapelle. Und Abpfiff.

Alles Zlatan oder was?

So ging ein tolles Fußballspiel zu Ende, das in 50 Minuten mehr zu bieten hatte, als andere Spiele in 120. Als Bonus gab es die selbsternannte Legende Zlatan Ibrahimović, der einmal zu Pep Guardiola gesagt haben soll: „Ich bin ein Ferrari und du fährst mich wie einen Fiat.“ Auch wenn Zlatan an diesem Nachmittag mehr Fiat denn Ferrari war, so war er zumindest ein göttlicher Fiat.

CenturyLink Field Seattle
Die Seattle Sounders gewinnen ein verrücktes Spiel gegen LA Galaxy (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

Vielleicht erinnerte ihn der Endstand von 4-3 auch an sein erstes Spiel in der Major League Soccer. Darin krönte er seinen Einstand bei LA Galaxy mit einem unglaublichen Tor aus 30 Metern und einem Kopfball-Treffer in der Nachspielzeit. Damals siegte LA mit 4-3 und „Ibra“ gab sich nach dem Schlusspfiff gewohnt bescheiden: „Bevor ich in das Spiel kam, riefen die Fans: ‚Wir wollen Zlatan!‘. Also gab ich ihnen Zlatan.“ Ganz ehrlich, was will man mehr?

Spielzusammenfassung

SEATTLE SOUNDERS FC vs. LA GALAXY (4-3)
CenturyLink Field, 46.673 Zuschauer
Major League Soccer (1. Liga)
01.09.2019, 15.30 Uhr (PDT)

Torschützen
1-0 Raul Ruidiaz (45.+2)
2-0 Cristian Roldan (55.)
2-1 Zlatan Ibrahimović (66.)
2-2 Uriel Antuna (75.)
3-2 Jordan Morris (77.)
3-3 Jorgen Skjelvik (81.)
4-3 Cristian Roldan (89.)

CenturyLink Field Feuerwerk
Das Spektakel geht weiter – Feuerwerk für die Seattle Sounders (Foto: Ben Fischer / Benanza.Pix)

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